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Ist Sex Lebensverlaengernd?

In Zeiten der Wirtschaftskrise sehnen sich die Menschen wieder mehr nach Zuwendung, Bindung und Intimität. Das ergab eine Umfrage in Österreich, die sich aber problemlos auf die meisten Populationen Mitteleuropas übertragen lassen.

Liebe und Zuneigung wirken lebensverlängernd.

88 Prozent der Befragten gaben an, dass gemeinsame Werte und liebevoller, harmonischer Umgang in einer Beziehung extrem wichtig seien. Das mache deutlich, dass Sexualität nicht bedeutet, auf Schnäppchenjagd zu gehen, so die Sexualexpertin Gerti Senger. Die Zusammenhänge zwischen Sex und Lebensqualität, Hormone und Sexualität, die Zufriedenheit dabei sowie Einschränkungen durch Funktionsstörungen seien ein immer wichtiger werdendes Thema in der Medizin, über dem häufig noch der Schleier des Tabus liege.

Neuesten Studien zufolge leiden 130 Millionen Westeuropäer an Angsterkrankungen. "Die Ängste sind vielfältig und haben sehr oft auch mit Beziehung und Partnerschaft zu tun“, sagt die Sex-Expertin." Sexualität steht oft im Konflikt zwischen Ängsten und Wünschen. Deshalb muss dringend die Beziehungskultur wie auch die Beziehungskompetenz der Menschen gefördert werden, verlangt Senger.

Kein Unterschied zwischen emotionalem und körperlichem Stress
Das Bedürfnis nach Sicherheit ist heute viel größer als in den Jahren zuvor. Eine gute Beziehung könne dieses elementare Bedürfnis stillen, erklärt Senger. Ein Verlust der Sicherheit bedeute emotionalen Stress, aber: "Unser Gehirn ist nicht in der Lage, emotionalen Stress von körperlichem zu unterscheiden“, gibt die Expertin zu bedenken. Die Folge: Dauerstress, der das Krankheitsrisiko erhöht.

Ein wohltuendes Geschlechtsleben ist keine Selbstverständlichkeit, ergänzt der Gynäkologe Johannes Huber. "Sexualität bedeutet nicht nur koitale Akrobatik", sagt er. Sie sei mehr als Geschlechtsverkehr und eröffnet die Möglichkeit des Gebens und Empfangens von Lust. Damit lässt sich die Liebe und Leidenschaft zu einem Partner vertiefen.

Intimität macht locker
"Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie groß die Verantwortung für den anderen ist, wenn man miteinander schläft", betont der Mediziner. Dabei wird ein Feuerwerk an Hormonen im Gehirn gezündet, darunter auch das Bindungshormon Oxytocin. Eine weitere Studie in Deutschland belegt die lebensverlängernde Wirkung durch guten Sex. Das Sterblichkeitsrisiko sinkt um 7,5 Prozent, wenn es einen Menschen gibt, dem man sich durch Intimität verbunden fühlt. "Mit dem sexuellen Erleben wird eine Lawine an Emotionen ausgelöst", bestätigt Senger. Sexualität, eingebettet in Beziehung und Bindung, sei eines der wunderbarsten Geschenke der Natur. Das gelinge aber nur, wenn Beziehungen wieder ernster genommen würden. "Verbundenheit steigert die Lust am sexuellen Erleben, reduziert Ängste und damit die Anfälligkeit für sexuelle Probleme."