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Was zieht Männer an, was Frauen?

Sie mag keine weißen Socken an Männerfüßen, dafür einen knackigen Po. Er mag keine Leggings an Frauenbeinen, dafür große Brüste. Das ist alles etwas oberflächlich, gewiss, aber wahr. Es gibt jedoch auch Vorlieben und Abneigungen zwischen Männern und Frauen, die viel tiefer gehen und unsere Partnerwahl so raffiniert steuern, dass wir es oft gar nicht merken

Es könnte alles so einfach sein: Frauen mögen witzige Männer, Männer mögen Frauen, die über ihre Witze lachen. Das belegen internationale Studien, Lachen ist die weltweite Sprache der Sympathie. Aber so schlicht geht es nicht zu bei der Partnerwahl. Neben bewussten Auswahlkriterien wie dem Unterhaltungswert des potenziellen Partners spielen tief in den Genen und in der Gesellschaft verwurzelte Reaktionen und Reflexe mit, die uns mit starken Impulsen dahin steuern, wo die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass aus der Liaison eine langwährende Beziehung wird. Denn das ist das oberste Ziel, das die Natur verfolgt, wenn sie uns am unsichtbaren Gängelband durch die wirren Pfade der Liebe führt: Der Nachwuchs soll in sicheren Verhältnissen aufwachsen, um seine Überlebenschancen zu gewährleisten und damit den Bestand der Art. Das ist seit Jahrtausenden so und wird wohl noch eine Weile so bleiben.

Wo lernen Paare sich kennen?

Manchmal wundert man sich doch sehr: Da haben Sven und Yvonne schon jahrelang in derselben Firma gearbeitet, machen gemeinsam Betriebssport – und dann klickt es auf einmal: Sie können ihre Blicke und Hände nicht mehr voneinander lassen, sind derartig verliebt, dass es für die Kollegen schon unangenehm wird. 70 Prozent der deutschen Paare lernen sich in vertrauter Umgebung kennen, am Arbeitsplatz, beim Sport, im Freundeskreis. Liebe auf den ersten Blick gibt es meist nur im Film. Und sie sind zurückhaltende Liebeswerber, die Mehrzahl lässt es langsam angehen, auch beim spontanen Flirt: 53 Prozent sind gar nicht darauf aus, sich schon am ersten Abend körperlich näher zu kommen, sie wollen sich erst mal beschnuppern, den anderen einschätzen, Gemeinsamkeiten feststellen.

30 Prozent der deutschen Paare haben den gleichen Bildungsabschluss, die allermeisten Beziehungen entstehen vor vergleichbarem sozialem Hintergrund. Übereinstimung in zentralen Fragen der Lebensführung und der Weltanschauung sind häufig die Voraussetzung, um sich für einen möglichen Partner zu interessieren. Paar-Therapeutin Dr. Eva Wlodarek: »Es ist wissenschaftlich erwiesen: Je ähnlicher Paare sich sind, desto glücklicher und haltbarer ist ihre Beziehung.«

Wie wichtig ist das Aussehen?

Auch Ähnlichkeit im Äußeren wird als Garant für die Stabilität einer Beziehung empfunden, sie sichert nämlich den genetischen Bonus: Der Nachwuchs ist beiden Eltern mehr verwandt als die üblichen 50 Prozent. Ehen zwischen ähnlichen Menschen sind nachweislich stabiler. Eine verblüffende Studie des schottischen Wahrnehmungsforschers David Perrett an der Universität St. Andrews belegt: Die Mehrzahl reagiert positiv auf Gesichter, die dem eigenen Aussehen nahekommen. Der Wissenschaftler hatte Testpersonen Fotos von andersgeschlechtlichen Personen vorgelegt, darunter auch jeweils ein Foto der Testperson selbst, das per Computer verwandelt worden war. Auf dieses Foto reagierten die Probanden am positivsten. Tatsächlich haben die meisten Paare eine ähnliche Größe und Statur, sind annähernd gleich dick oder dünn, gleich attraktiv oder unattraktiv.

Die renommierte Anthropologin Prof. Helen Fischer von der Universität Colorado (USA): »Jeder von uns trägt eine Landkarte der Liebe in sich, alle Erfahrungen und Erwartungen sind darin verzeichnet. Positives und Negatives aus unserer Kindheit bilden ein Raster, das wir unbewusst auf einen Menschen anlegen, um zu prüfen, ob er als Partner infrage kommt. Die einen fühlen sich durch einen Geschäftsanzug oder einen Arztkittel animiert, die anderen durch einen großen Busen, durch kleine Füße oder ein lebhaftes Lachen. Zahllose offenkundige und auch unterschwellige Elemente wirken da zusammen.“

Prof. Karl Grammer, einer der führenden europäischen Evolutionsbiologen (Universität Graz), weiß ebenfalls, dass Aussehen und Status für fast alle von uns ganz entscheidende Kriterien sind: »Der Mensch sucht einen ähnlichen Partner, weil er ihm garantiert, dass mehr von den eigenen Genen erhalten bleibt. Auf der anderen Seite ist es aber für die Gesundheit des Nachwuchses und die Fortentwicklung der Art wichtig, dass er sein Erbgut mit einem möglichst unterschiedlichen Menschen kreuzt.« In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns, wenn wir auf der Partner-Pirsch sind.

Wie stark steuern uns die Hormone?

Aber geht es uns denn immer gleich um Partnerwahl, gesunden Nachwuchs, lebenslange Beziehungen? Geht es nicht meistens um das Knistern des Flirts, um die Hummeln im Bauch, den erotischen Thrill? Für eine Nacht, für einen Urlaub, für einen Sommer? Sicher, das glauben wir. Aber unsere Sinne scannen die anziehende Frau, den attraktiven Mann viel umfassender ab, als wir bewusst wahrnehmen. Nehmen wir zum Beispiel die Nase: Dass wir jemanden gut riechen können, ist nicht nur im übertragenen Sinne gemeint. Menschen wählen überwiegend Personen als Partner, deren Duft ihnen gefällt.

Jeder von uns hat eine spezielle Duftnote, die nur bestimmte andere Menschen – ohne sich dessen bewusst zu sein – riechen können, und die signalisiert: Dein und mein Immunsystem passen gut zueinander. Mehr noch, chemische Stoffe signalisieren Paarungsbereitschaft: Im Achselschweiß der Männer orten sensible Frauennasen das Pheromon Adrostenon, das als Sexuallockstoff in der Tierwelt todsicher wirkt und dessen Wirkung auch beim Menschen nachweisbar ist. Vor allen nehmen dies solche Frauen wahr, die gerade ihre fruchtbaren Tage haben. Sozusagen als Gegenwind verströmen sie den Lockstoff Kopulin (der heißt wirklich so), der Männer auf sie aufmerksam werden lässt.

Aber noch ein anderes Männerhormon fordert sein Recht: Testosteron, das Männlichkeitshormon schlechthin, das an einem markigen Gesicht à la George Clooney und einem knackigen Body à la Brad Pitt zu erkennen ist. An ihren fruchtbaren Tagen fühlen sich Frauen zu dieser Sorte Alpha-Männchen hingezogen, sie versprechen gute Chancen auf gesunden Nachwuchs. Auch der Seitensprung-Prozentsatz steigt dann. Kaum glaublich, aber wahr: Eine Studie mit 86000 Frauen ergab, dass Frauen mit solchen »symmetrisch« gebauten Männern, wie die Wissenschaft schöne Menschen nennt, mehr Orgasmen haben. Auch das ein Trick der Natur: Ein Orgasmus erhöht die Wahrscheinlichkeit der Empfängnis.

Welche Rolle spielen Äußerlichkeiten?

Bevor es zum Äußersten kommt, geht es erstmal um eine Reihe von Äußerlichkeiten, die es abzuhaken gilt, ehe eine Frau einen Mann so nahekommen lässt, dass sie seine Lockstoffe und Hormone überhaupt wahrnehmen kann. Umfragen haben unter anderem ergeben, dass Männer in weißen Socken und weit aufgeknöpften Hemden ganz schlechte Karten haben. Ebenso Männer mit schlappem Po. Studien zeigen ebenfalls dass vor allem solche Männer,
- die sich als Kumpel und Therapeut anbieten
- ein »Nein« nicht akzeptieren können
- nicht wissen, was sie wollen
- zu jedem Thema ihren Senf abgeben bei kaum einer Frau punkten.

Am unbeliebtesten: Männer, die nicht zuhören. Da sich das inzwischen herumgesprochen hat, gehen viele dazu über, den Frauen geradezu Löcher in den Bauch fragen. Das ist dann auch wieder nicht gut, denn Frauen spüren genau, wann das Interesse echt ist. Sie mögen es auch nicht »verhört« zu werden, ebenso wenig wie allgemein gehaltene Komplimente nach dem Motto »Du bist einfach perfekt“. Ein bisschen spezieller darf es schon sein, so zum Beispiel ein Lob für konkrete Dinge, die sie gemacht hat und auf die sie stolz ist.

Noch wichtiger ist jedoch, dass er ihr Aussicht auf eine »problemfreie Welt« verheißt, der Alltag ist schließlich schon anstrengend genug. Frauen mögen Männer, die Zufriedenheit und Zuversicht ausstrahlen und das Gefühl vermitteln: Was auch geschieht – ich weiß, was zu tun ist. Er soll entscheidungsfreudig sein, klar ja und nein sagen können. Ein »Keine Ahnung, was wir heute Abend machen, hast Du `ne Idee?« ist tödlich. Überhaupt soll er seine Liebe nicht in Worten beteuern, sondern mit Taten unter Beweis stellen, und er soll vor allem das halten, was er verspricht. Bei alldem sollen seine Bemühungen nie angestrengt wirken, sondern stets ein angenehmes Gefühl von Leichtigkeit vermitteln, so als geschehe alles wie von selbst. Dann nehmen 88 Prozent der deutschen Frauen sogar Speckröllchen in Kauf, 90 Prozent übersehen seine Falten. Allerdings: Je unabhängiger eine Frau finanziell ist (72 Prozent der Frauen bei uns sind mittlerweile berufstätig), desto mehr Wert legt sie auf physische Attraktivität, was immer häufiger dazu führt, auch deutlich jüngere Männer in die engere Wahl zu nehmen.

Die meisten Erkenntnisse aus Umfragen und Studien sind gebunden an den jeweiligen Zeitgeist, die Moden und Sitten, die gerade herrschen. Aber es gibt etwas Bleibendes. Prof. Karl Grammer: »Frauen blicken bei Männern nicht so sehr auf Äußerlichkeiten, sondern in die Augen. Und dabei arbeiten sie eine lange Liste ab, bei der es um Dinge geht wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Freundlichkeit.« Der amerikanische Bestsellerautor Emerson E. Eggerichs (»Love and Respect«) ergänzt: »Frauen lieben es, über die Augen eine Verbindung herzustellen. Wenn es klappt, schmelzen sie dahin.« Er empfiehlt den Männern, gar nicht so viel zu reden, sondern stattdessen ihre Augen sprechen zu lassen. »Denn das ist es, worauf Frauen fixiert sind: Schon kleine Mädchen unterscheiden sich von Jungen dadurch, dass sie ständig den Blickkontakt suchen, sie verstehen die Sprache der Augen.«

Wie wichtig ist der Sex?

Ob Frauen auch seine Qualität als Sexualpartner an den Auge erkennen können, ist nicht erforscht, aber die Beantwortung der Frage hat höchste Priorität: Wie wird der Sex mit ihm sein? Da hilft natürlich am besten: ausprobieren. Frauen wollen und mögen Männer, die ihre Art der Sexualität verstehen, bei der nicht immer nur der Geschlechtsverkehr die Königsdisziplin darstellt. Die Hamburger Psychotherapeutin Dr. Kirsten von Sydow: »Die üblichen sexuellen Aktivitäten sind für Frauen oft unbefriedigend. Sie sind stärker an nicht-koitalen Aktivitäten interessiert, zum Beispiel am Vorspiel.« Aber wie das Wort schon sagt: Für die meisten Männer ist das Vorspiel nur ein Schritt auf dem Weg zum Endspiel.

Verschiedene Studien besagen, dass bis zu 26 Prozent der Frauen aus diesem Grund noch nie zum Orgasmus gelangt sind. Ebenso wichtig wie die Frage nach dem guten Sex ist das, was danach kommt: Ob er wohl einen guten Vater abgibt? Eine Studie mit 10000 Frauen in 37 Ländern ergab, dass eine Frau bei einem Mann immer auch nach Anzeichen dafür sucht, ob er sie bei der Aufzucht von Kindern nicht im Stich lässt und ob er ein guter und liebevoller Vater sein würde.

Prägt das Vaterbild die Vorlieben der Frau?

Ein ganz entscheidendes Stichwort: der Vater. In wie vielen Filmen und Songs (»My Heart belongs to Daddy«) kommt er vor! Seine Rolle ist überhaupt nicht zu überschätzen. Eine Studie der Universität Breslau belegt, dass Frauen mit enger Bindung zum Vater ihr Leben lang auf der Suche nach einem Mann sind, der ihm ähnelt und auch ähnlich sieht. Die Wayne-State-University Detroit (USA) hat außerdem festgestellt, dass es eine überdurchschnittlich häufige Ähnlichkeit zwischen Ehemännern und Vätern gibt. Umgekehrt gilt aber auch: Hatte eine Frau ein schlechtes Verhältnis zu ihrem Vater, haben Männer, die ihm äußerlich oder dem Wesen nach ähneln, wenig Chancen.

Zurück zu den Äußerlichkeiten: Abgesehen von der kuriosen Erkenntnis, dass 80 Prozent der Frauen in Deutschland Männer mit hohen Stimme mögen (Universität Frankfurt/Main), schauen fast hundert Prozent auf seine Hände, vor allem auf die Fingernägel: Wenn es hier etwas auszusetzen gibt, sinken seine Chancen in den Keller.

Warum fahren Männer auf Kurven ab?

Männer schauen da schon etwas ganzheitlicher hin, zumindest lassen sie ihre Augen über den ganzen Körper schweifen. Denn ein schöner Frauenkörper zieht ihren Blick unweigerlich auf sich. Laborversuche haben bewiesen, dass sie gar nichts dafür können: Test-Männern wurden erotische Fotos vorgelegt und dabei ihre Augenbewegungen und Hirnströme gemessen. Das Ergebnis: Sexuelle Darstellungen aktivieren das als Mandelkern (Amygdala) bezeichnete Hirnareal – die Region, in der Gefühle verarbeitet werden.

Andere Reihenuntersuchungen zeigen, dass die Gesichter von Frauen während ihrer fruchtbaren Tage Männern attraktiv erscheinen, weil sie dann besonders feminin sind. Der Grund für diese Wirkung: Feminine Züge entstehen durch die Ausschüttung des Hormons Östrogen während der Pubertät, ein hoher Östrogenspiegel spricht für Gesundheit und Fruchtbarkeit – ein entscheidendes Kriterium bei der Partnerwahl. Und wie durch Zufall betonen Frauen während der Zeit vor dem Eisprung ihre Weiblichkeit durch Hervorhebung der Augen und des Mundes beim Schminken und zeigen deutlich mehr Haut als sonst. Prof. Karl Grammer: »Auch große Brüste spiegeln einen hohen Östrogenspiegel und sprechen für ein gesundes Immunsystem. Männer brauchen zwei Sekunden, um das Äußere einer Frau auf solche Dinge hin abzuschätzen.«

Singlefrauen, die Kontaktanzeigen aufgeben, scheinen all dies nicht zu wissen, zumindest messen sie dem keine große Bedeutung bei. Denn die Begriffe, mit denen sie sich dort beschreiben, lauten vorwiegend: liebenswert, sympathisch, humorvoll, bodenständig, nett. Dagegen hat kein Mann etwas, es gibt jedoch Eigenschaften, auf die Männer deutlich mehr anspringen. Männer mögen ganz besonders:

- Frauen, die sich leidenschaftlich für irgendetwas begeistern und interessieren, egal was es ist

- Frauen, die alle Fünfe gerade sein lassen und bei denen die Küche nach dem Kochen wie ein Schlachtfeld aussieht. Darin erkennen sie eine großzügige Lebenseinstellung und dass sie nicht immer gleich an Probleme denkt

- Frauen, die an der richtigen Stelle auch mal kräftig fluchen. Das zeigt ihnen, dass sie weiß, was sie will und vor allem: was sie nicht will

- Frauen, die sich für die Vorlieben und Hobbys des Mannes interessieren und ihm Freiräume dafür geben

- Frauen, die beim Essen lustvoll zulangen und zeigen, dass es ihnen schmeckt. Dies signalisiert Lebensfreude und Sinnlichkeit.

Eine weltweite Studie hat übrigens gezeigt, dass mollige Frauen speziell auf hungrige Männer attraktiv wirken. Ein Hinweis darauf, dass wir vielleicht doch nicht vom Neandertaler, sondern von Kannibalen abstammen?